Mary Zwo

Unterkühlt und unterernährt

© A.J. Havenkamp

Am 18. Mai 2007 brachte Gana, im Allwetterzoo in Münster, Mary Zwo zur Welt. Sie wurde Mary Zwo getauft, in Erinnerung an das erstgeborene und früh verstorbene Gorilla-Baby in Münster, das damals Mary hiess.

Schon bald bedrängte Vater N’Kwango ihre Mutter Gana. Daraufhin wurde Gana und Mary Zwo von der Gorillagruppe separiert. Nach der Trennung von der Gorillagruppe, unter der Gana ganz offensichtlich litt, begann sie, ihre Mutterpflichten zu vernachlässigen. Mary Zwo ging es zusehends schlechter. Abgemagert und unterkühlt wurde das wenige Wochen alte Baby in die Notaufnahme der Uniklinik von Münster eingeliefert. Nachdem sie einigermassen wieder bei Kräften war, wurde Mary Zwo am 02. Juli 2007 zur Handaufzucht in den Zoo Wilhelma nach Stuttgart in die Aufzucht-Station für Menschenaffen gebracht. Dort wuchs sie gemeinsam mit anderen Gorilla-Kindern aus europäischen Zoos heran.

Mit knapp drei Jahren wurde Mary Zwo sehr selbstbewusst, frech und kräftig. Sie war nicht mehr das hilflose Baby von damals. Die Betreuung wurde schwieriger. Es war an der Zeit für Mary Zwo, die Aufzucht-Station zu verlassen und den Anschluss in einer Gorilla-Familie zu suchen.

Neues Zuhause auf dem Zürichberg

© Juri Ritter

In Abwägung bot sich aus verschiedenen Gründen die Gorilla-Familie im Zoo Zürich an. Einerseits die ruhige und gut funktionierende Familie rund um den toleranten und sehr umsichtigen Silberrücken N’Gola, anderseits die grosse Erfahrung der TierpflegerInnen mit der Integration handaufgezogener Jungtiere. Optimale Voraussetzungen um das Einmaleins des sozialen Zusammenlebens zu erlernen.

Mary Zwo wurde am 08. März 2010 nach Zürich gebracht. In Sichtkontakt zur neuen Familie wurde sie in der obligaten Quarantäne der Anlage geführt. Um von der Handaufzucht loslassen zu können erfolgte die Betreuung fortan von Aussen.

Vieles ist neu und ungewohnt. Es braucht Zeit und Geduld bis Mary Zwo gelernt, wie man sich als Gorilla zu Verhalten sowie zu Benehmen hat und wo ihre Grenzen sind. Eine schwierige und ungewohnte Situation für Mary Zwo. Aber ihrer Unsicherheiten und Fehlverhalten werden mit Hilfe der sozialkompetenten Gorilla-Familie aber auch den fürsorglichen TierpflegerInnen hoffentlich bald der Vergangenheit angehören. Mittlerweilen reagiert sie auf Spielaufforderungen der gleichaltrigen Haiba und Habibu. Sie respektiert die Rangordnung innerhalb des Clan’s und ist bei der Futteraufnahme auch nicht mehr so wählerisch wie zu Beginn.

Seit den Geburten von Mawimbi und Mahiri wurden erfreulicherweise auch bei Mary Zwo die mütterlichen Instinkte geweckt. Sie sucht bevorzugt die Nähe zu Mamitu und deren Baby Mawimbi. Sie setzt sich unauffällig neben Mamitu hin und wartete geduldig, bis die kleine Mawimbi auf Erkundung geht und so, ohne Zutun von Mary Zwo, ihr direkt in die Arme läuft.

Trotz den Fortschritten muss Mary Zwo sozial noch vieles aneignen. Insbesondere vermehrt aktiv mit den anderen Tieren zu interagieren und besonders wichtig, sich vom Menschen als Bezugsperson zu lösen.

Es macht den Eindruck, das Mary Zwo auf gutem Weg ist, ihr Zuhause zu finden.

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