Achilla

Überraschendes Geschenk

Ansichtskarte 1948

Im Jahre 1948 erhielt der Zoo Basel, zum 75-jährigen Bestehen, von seinem Freundeverein, den Gorillamann Achille geschenkt. Bei einer späteren Untersuchung wurde überraschend  erkannt, dass es sich um eine Gorillafrau handelte. Der vermeintliche Gorillamann wurde zu Achilla umgetauft. Die einjährige Achilla kam, am 23. Oktober 1948, als Wildfang von Kamerun über Paris, in die Rheinstadt.

Das noch hilfsbedürftige Gorilla-Kind Achilla benötigte sozialen Kontakt und wurde mit dem Schimpansen-Knaben Pablo von Hand aufgezogen.

Der erste Gorilla in Vollnarkose, der erfolgreich operiert werden konnte

Achilla kritzelte gerne in einem Notizbuch herum. Eines Tages, im Mai 1952, hatte sie sich so erschreckt, dass sie mit dem Kugelschreiber am Gehege empor flüchtete. Dabei verschluckte sie das giftige und spitze Schreibzeug.

Alle Sofortmassnahmen verfehlten ihre Wirkung, den Stift aus ihrem Magen zu befördern. Sie musste narkotisiert werden. Die Operation gelang und man konnte den Kugelschreiber erfolgreich aus dem Magen entfernen. Als Achilla zurück in ihr Käfig gelegt wurde, wollte sie nicht aus der Narkose erwachen. Unter heftiger Massage und zugeführtem Herzmittel konnte Achilla reanimiert werden und öffnete wieder ihre Augen. Achilla war unter Beobachtung der Wissenschaftler aus aller Welt, der erste Gorilla in Vollnarkose, der erfolgreich operiert werden konnte. Bald hatte sie sich erholt und der Hunger kam zurück. In diesem Zusammenhang stellte man damals fest, dass sie, in Tat und Wahrheit, eine Gorillafrau ist.

In den folgenden Jahren wurden Achilla und Pablo gute Tischmanieren beigebracht. Täglich setzten sie sich an einen Kindertisch und assen gemeinsam ihre Mahlzeiten. Die beiden verschiedenartigen Menschenaffenkinder verbrachten gemeinsam eine verspielte und durchaus glückliche Jugend.

Am 01. September 1960 kam ihr Partner Stefi nach Basel

Als Achilla langsam erwachsen wurde, war es an der Zeit, einen passenden Partner für sie zu finden. Durch Zufall hatte der Zoologische Garten von Columbus im Januar 1951 drei kleine Gorillakinder aus Kamerun importiert. Eines der Gorillakinder konnte schlussendlich der Zoologische Garten von Basel erwerben. Am 16. September 1954 kam ihr Partner Stefi nach Basel.

Nach rund dreiwöchiger Angewöhnungszeit wurden beiden Gorillas, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, erfolgreich zusammengeführt. Zu diesem Zeitpunkt führte der Zoo Basel als einziger auf dem europäischen Festland ein nahezu erwachsenes Gorilla-Paar. Mit Spannung erwartete man die weitere Entwicklung des Paares.

Das erste in einem europäischen Zoo geborene Gorilla-Baby und das Zweite weltweit

© Jörg Hess

Nachdem Achilla am 29. März 1958 ein Kind verlor war es dann im darauffolgenden Jahr soweit. Am 23. September 1959 kam Goma auf die Welt. Es war das Medienereignis, Goma war das erste in einem europäischen Zoo geborene Gorilla-Baby und das Zweite weltweit.

Achilla hatte danach noch fünf weitere Niederkünfte und das immer mit ihrem Stefi. Nur Goma, Jambo, Migger und Quarta wuchsen gesund heran und wurden, mit Ausnahme von der von Hand aufgezogene Goma, von der Mutter grossgezogen. Im fortschreitenden Alter war Achilla nicht mehr in der Lage ihren letzten beiden Kindern Wimbi und Donga die Brust zu geben. Beide Säuglinge mussten von ihrer Mutter getrennt werden. Wimbi starb an Unterernährung und Donga wurde zur Handaufzucht dem Zoo Zürich abgegeben.

Achilla führte mit Stefi ein friedliches und harmonisches Leben. Am 03. Januar 1987 starb Achilla, die Granddame der europäischen Zoo-Gorillas, infolge Arteriosklerose, das zu einer Herzinsuffizienz führte.

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