Hobbit

Die Jugendjahre in Zürich verbracht

© Keystone / Hobbit am 21.11.1979

Die Eltern Banjo und Undi brachten am 02. März 1979, im Zoo Stuttgart, Hobbit auf die Welt. Da Hobbit's Mutter nicht wusste, was sie mit ihrem Baby anfangen sollte, musste er im Gorilla-Kindergarten abgegeben und von Hand grossgezogen werden.

Ein halbes Jahr später, am 25. Oktober 1979, wurde der kleine Hobbit mit seiner Halbschwester Mamitu in den Zoo Zürich gebracht, denn dieser Zoo beabsichtigte eine Zuchtgruppe aufzubauen. Weitere zwei Jahre später kamen mit Golo und Nache noch zwei Halbgeschwister dazu. Die einseitige Genetik war aber nicht im Sinne des Zoo Zürich. Als es zu Ohren kam, dass der Zoo Durrell auf der Insel Jersey beabsichtigte eine weitere Gorilla-Gruppe aufzubauen, kam dies dem Zoo Zürich entgegen. Hobbit wurde somit als Anführe für die neue Gruppe auserkoren und im Gegenzug würde der Zoo Zürich einen jungen Gorillamann aus der Jersey-Zucht erhalten. Am 19. August 1984 verliess Hobbit im Austausch mit N’Gola, den Zoo Zürich Richtung Zoo Jersey.

Der Lausbube von Jersey

Für sein Alter war Hobbit, mit einem Gewicht von mehr als 60kg, ein grosser Gorilla. Man konnte schon damals annehmen, dass er ausgewachsen über 200kg wiegen würde. Nach kurzer Zeit hatte Hobbit mit seiner beeindruckenden Physis und einem extrem ausdrucksstarkem Gesicht die allgemeine Aufmerksamkeit aller auf sich gerichtet.

Ein typisches Merkmal von Hobbit war das mit seinen übergrossen und leicht nach aussen gerichteten Füssen und ausgebreiteten Schultern herumstolzieren im Trab. Dabei schwenkte er mit den starken Nackenmuskeln seinen kugelförmigen Kopf schnell hin und her. Zumeist trug er dabei Früchte mit sich, die ihn während seinem Geschwindigkeitsrausch begleiteten.

Er war intelligent und scharfsinnig, sowie unerschrocken. Er versuchte auch die dekorativ an der Gehege-Mauer hängenden Trauben- und Feigenpflanzen zu erreichen. Wenn die Ranken einmal zu tief ins Gehege ragten, hing er sich an die Pflanzen um die Früchte pflücken zu können. Nach solchen Aktionen mussten die tieffallenden Ranken zurückgeschnitten werden. Eines Tages fand man Hobbit mit einer Kröte spielen. Als in der Tierpfleger sah, warf Hobbit ihm die Kröte aus dem Handgelenk entgegen. Um die Aufmerksamkeit auf sich zu richten, warf Hobbit auch mit anderen Gegenständen um sich, bis in das benachbarte Gehege, wo Jambo sich aufhielt. Anstatt sich für seine Gruppe zu interessieren, hatte der Lausbube nur Schabernack im Kopf und provozierte öfters Jambo durch die Trennwand um nach getaner Schelmerei rücklings zu flüchten, in seine sichere Höhle.

Leider verschlimmerte sich, mit seinem Heranwachsen, Hobbit's unvorhersehbares Verhalten merklich und er entwickelte sich allmählich zum Risiko. Zum Schutz der in seiner Gruppe vorhandenen Gorillafrauen und ihren Nachkommen, wurde Hobbit, nach einigen gefährlichen Vorkommnissen, täglich für längere Zeit separat gehalten. Auch beim Vorfall am 31. August 1986, als ein kleiner Junge ins Gehege fiel, war der verspielte aber ungestüme Hobbit derjenige der für zusätzliche Aufregung sorgte. Die Tierpfleger konnten den stets unberechenbar heranstürmenden Hobbit auf Distanz halten und den Knaben, unter Schock und leicht verletzt ,aus der Anlage bergen.

Die Situation um Hobbit liess in Hinblick auf die in den nächsten Monaten geplante endgültige Zusammenführung der Zweiten Gorilla-Gruppe jeglichen Optimismus zur Besserung schwinden. Nach Evaluation der Lage, wurde entschieden das Projekt, mit Hobbit eine Zweite Gorilla-Gruppe aufzubauen, abzubrechen. Der inzwischen zum Schwarzrücken herangewachsene Hobbit fand somit im Zoo Durrell auch kein endgültiges Zuhause und musste leider weggegeben werden.

Von Zürich über Jersey nach Pretoria

© giraffeee

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz empfahl das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP), dass Hobbit am 03. Juni 1988 langfristig nach Südafrika, an den Zoo Pretoria ausgeliehen werden sollte. Man hoffte, dass er sich dort einleben und wohlfühlen würde. Mit der in der Wildnis geborenen Gorilla Dame Kleintje (Betty) zeugte er am 02. Oktober 1989 ein Gorillamädchen Namens Maswi Dianne. Sie durfte nur ein paar Tage leben und starb am 08. Oktober 1989 an einem Hirntrauma. Am 23. August 1990 gab es mit Kleintje nochmals Nachwuchs zu vermelden. Leider starb das männliche Gorilla-Baby am 30. August 1990 an akutem Lungenversagen, noch bevor es einen Namen erhalten hätte.

Verspottet und mit einem Stein beworfen

© Grobant 2006­­

Im Jahre 1992 bewarf ein spottender junger Besucher Hobbit mit einem Stein. Der Vorfall bewegte die Verantwortlichen dazu, erhöhte Sicherheitsmassnahmen zu treffen. Die Abgrenzung zwischen den Besuchern und den drei Gorilla‘s Hobbit mit seinen beiden Frauen Magret und Kleintje, wurde verbessert und das Gehege zugleich neu gestaltet.

Im selben Jahr, bei der Einweihung demonstrierte Hobbit den Medien und den zahlreichen Besuchern mit geballten Fäusten auf seine Brust trommelnd, sowie mit bösem Blick, sehr deutlich was er von diesem Aufmarsch hielt. Einzig seine beiden Damen konnten ihn dann dazu bewegen, sich zurückzuziehen und zu beruhigen.

© Grobant 2006­­
© Grobant 2006­­

Er starb schwer krank und einsam

Hobbit fühlte sich wohl und seine unübersehbaren charakteristischen Merkmale und seine schelmenhaften Eigenschaften machten ihn zu einem der Lieblinge des Zoo Pretoria. Um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen warf er auch hier mit Gegenständen um sich und trabte von einer Seite des Geheges zur anderen. Margret starb aus bis heute ungeklärten Gründen am 26. Februar 1997. Ein Jahr darauf folgte ihr, am 24. Februar 1998, Hobbit's Herzdame Kleintje Diese kurz aufeinander entstandenen Ereignisse haben sicherlich Spuren bei Hobbit hinterlassen. Auf der erfolglosen Suche nach geeigneten Partnerinnen verstrich viel Zeit. Er gewöhnte sich allmählich ans Alleine sein und man wusste nicht, ob Hobbit überhaupt jemals wieder Damen an sich heranlassen würde. Die letzten 11 Jahre lebte Hobbit alleine im grosszügigen Gehege.

Im Jahre 2004 hatte, auf Empfehlung des Weltdachverband der Zoo's (WAZA), die malaysche Regierung die vier aus dem Zoo Taiping beschlagnahmten Gorillakinder Abbey, Izan, Oyin und Tinu dem Zoo Pretoria abgegeben. Sie wurden getrennt von Hobbit gehalten. Der weitergeführte und sehr umstrittene Fall endete im Jahre 2007 mit der Rückkehr der „Vier von Taiping“ in ihr Heimatland Kamerun. Sie wurden im Affenwaisenhaus Limbe untergebracht. Somit war Hobbit wieder ganz alleine.

Im Jahre 2007 stellte man bei der Jahreskontrolle fest, das Hobbit an Diabetes mellitus Typ II erkrankt war. Von da an musste ihm täglich Insulin gespritzt werden. Damit Hobbit behandelt werden konnte, wurde er darauf trainiert sich mit dem Rücken zum Gitter zu positionieren und seine Arme auf ein Seil abzulegen, so war der Tierarzt jeweils in der Lage ihm die Injektion zu verabreichen. Nach der überstandenen Medikation erhielt Hobbit immer drei hart gekochte Eier zur Belohnung. Das aussetzen der Nierenfunktion führte zu starkem Gewichtsverlust; Von stattlichen 200kg magerte Hobbit auf 160kg runter. Auch wurden Augenschäden festgestellt. In den letzten Monaten seines Lebens zog er sich zunehmend von der Öffentlichkeit zurück. An seinem 29. Geburtstag erhielt er als Teil seines Programmes für eine attraktivere Umgebung, einen Fernseher in sein Nachtquartier gestellt. Der ehemalige Lausbube Hobbit starb am 11. Dezember 2009, einsam, mit nur 30 Jahren.

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