Pole Pole

Der kleine Draufgänger

© Dr. Christian R. Schmidt

Am 26. Dezember 1989 kam Pole Pole auf die Welt. Seine Mutter Inge war, wie bei all ihren Geburten im Zoo Zürich, nicht in der Lage, ihr Neugeborenes anzunehmen. Sie schien sich jeweils vor ihren eigenen Kindern zu fürchten. Pole Pole wurde vernachlässigt und verbrachte daraufhin die ersten sieben Monate seines Lebens in menschlicher Pflege. Sein Name bedeutet in Suaheli, die Sprache seiner afrikanischen Herkunft, „langsam langsam“ oder „ nimm’s gemächlich“. Was aber zu diesem Zeitpunkt gar nicht seinem Naturell entsprach. Er war ein kleiner Draufgänger, der kein Spiel ausliess und immer für eine kleine Balgerei zu haben war.

Auf der Urlaubsinsel wartet er auf seine Berufung

Da sein Vater N’Gola junge männliche Artgenossen ohnehin nur wenige Jahre in der Familie geduldet hätte, wurde entschieden auf eine langwierige Einführung von Pole Pole zurück in die Gruppe zu verzichtet. Er wurde am 07. August 1990 kurzzeitig in den Zoo Wilhelma nach Stuttgart in die Aufzucht-Station für Menschenaffen gebracht. Nach rund zwei Monaten wurde Pole Pole ermöglicht sich in einer Gorillafamilie zu integrieren. Am 27. Oktober 1990 wurde er dem Tierpark Hellabrunn in München übegeben. Dort durchlebte Pole Pole seine Jugendjahre gemeinsam mit seiner älteren Schwester Neema. Es nahte jedoch der Tag wo er als Halbstarker vom Silberrücken Roututu verdrängt und vertrieben wird. Im Wissen, das Pole Pole in München lediglich seine Jugendjahre verbringen würde, plante das europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) ihn in einen Zoo abzugeben der eine Junggesellengruppe führte.

Am 13. Juli 1995 wurde Pole Pole gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Rafiki nach Puerto Cruz, in den Loro Parque auf Teneriffa, umgesiedelt. Seither lebt er dort in einer reinen Männer-WG und wartet darauf, dass eines Tages in einem europäischen Zoo ein neuer Haremchef benötigt wird.

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