Rafiki

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© Dr. Christian R. Schmidt

Am 25. September 1991 kam Rafiki auf die Welt. Seine Mutter Inge war, wie bei all ihren Geburten im Zoo Zürich, nicht in der Lage, ihr Neugeborenes anzunehmen. Sie schien sich jeweils vor ihren eigenen Kindern zu fürchten. Wie sein um zwei Jahre älterer Bruder Pole Pole wurde Rafiki vernachlässigt und verbrachte daraufhin die ersten sieben Monate seines Lebens in menschlicher Pflege. Sein Name bedeutet in Suaheli, die Sprache seiner afrikanischen Herkunft, „Freund“. Seine Namensgebung entsprach seinem freundlichen Charakter. Rafiki war als Baby ein sanfter Träumer und war eher zurückhaltend und prüfend, bevor er sich in ein Abenteuer stürzte.

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Da sein Vater N’Gola junge männliche Artgenossen ohnehin nur wenige Jahre in der Familie geduldet hätte, wurde entschieden auf eine langwierige Einführung von Rafiki zurück in die Gruppe zu verzichtet. Er wurde am 13. Dezember 1991 in den Zoo Wilhelma nach Stuttgart in die Aufzucht-Station für Menschenaffen gebracht.

Rafiki hatte eines Tages das Alter erreicht, wo er die Aufzucht-Station verlassen musste. Im Normalfall wird ein Halbstarker in eine neue Familie integriert, mit der Absicht, dass er eines Tages den Harem übernehmen würde. Da die Zoo’s mit männlichen Tieren gut bedient sind, erhalten nicht alle sogleich die Möglichkeit, eine eigene Familie aufzubauen. Wie in der Wildnis beobachtet wurde, bilden sich männliche Halbstarke zunächst zu Junggesellen-Gruppen. Dieser Falle trat bei Rafiki nun ein, so dass das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) nach einer Alternative suchen musste.

Am 13. Juli 1995 wurde Rafiki gemeinsam mit seinem älteren Bruder Pole Pole nach Puerto Cruz, in den Loro Parque auf Teneriffa, umgesiedelt. Seither lebt er dort in einer reinen Männer-WG und wartet darauf, dass eines Tages in einem europäischen Zoo ein neuer Haremchef benötigt wird.

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Rafiki quält sich eines Tages mit entzündeten Wunden am Arm, die vermutlich aus Streitigkeiten mit den Artgenossen hervorgingen. Damit eine zum Tod führende Blutvergiftung verhindert werden konnte, musste Rafiki untersucht werden. Er wurde im Nachtquartier separiert und narkotisiert. Es dauerte länger als erwartet, bis die Ärzte in den Käfig zum schlafenden Patienten gelassen werden konnten. Die Wunden wurden gesäubert und versorgt. Die Gelegenheit wurde auch genutzt den Allgemeinen Zustand bei Rafiki festzustellen. Kurz bevor er wieder aus der Narkose erwachte, konnten noch Röntgenbilder gemacht werden. Es wurden keine Knochenbrüche am Arm diagnostiziert. Nach ein paar Tagen erholte sich der Arm von Rafiki und er konnte wieder seinen Beschäftigungen nachgehen.

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