Enea

Sorgenfreie Jugend auf dem Zürichberg verbracht

© ediday (Edi Day)

Am 29. November 2004 kam Enea zur Welt. In den  darauffolgenden Jahren konnte sie in der sozialkompetenten Gorilla-Familie auf dem Zürichberg ihre Kindheit durchleben und zu einer Dame heranwachsen.

Mit eintreten der Geschlechtsreife ist es, wie in freier Wildbahn, an der Zeit das warme Nest zu verlassen und sich einer neuen Familie anzuschliessen. Am 31. Januar 2012 war es soweit, Enea wurde an den Rhein in den Zoo Basel umgesiedelt. Die Basler Gorilla-Familie besteht nur noch aus zwei fortpflanzungsfähigen Frauen Joas und Faddama. Von Enea erhofft man sich eine Blutauffrischung.

Enea kehrt, im weitesten Sinne, zurück zu ihren Wurzeln

© A.J. Havenkamp

Enea kehrt, im weitesten Sinne, zurück zu ihren Wurzeln nach Basel. Goma und Quarta sind ihre hochbetagten Grosstanten. Eneas Grossvater Jambo war ein Nachkomme der prominenten Basler Gorillas Stefi und Achilla.

In der Grossfamilie des Zoo Zürich konnte sie mit den Geschwistern Bonsenga, Binga und Eyenga aufwachsen und die Geburten von Habibu, Haiba und Libonza miterleben. Nun beginnt ein weiteres Kapitel ihrer Geschichte, der Einstieg ins Erwachsenenleben.

Jede Umsiedlung birgt seine Risiken. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Fühlt sie sich wohl in der neuen Umgebung oder kriegt sie Heimweh? Wird sie vom Silberrücken Kisoro angenommen und von den Familien-Mitgliedern akzeptiert?

Ein Wechsel in eine andere Gorillagruppe liegt in der Sache der Natur. Auch in freier Wildbahn verlassen junge weibliche Gorillas, in Eneas Alter, ihre angestammte Familie und suchen sich eine neue Gruppe.

Enea gilt als eine gefestigte und zeitweilen forsche Persönlichkeit. Nach der Eingewöhnungsphase gab es bei der Zusammenführung ein wenig Aufregung, doch zwischenzeitlich versteht sie sich immer besser mit ihrer neuen Familie. Dem Silberrücken Kisoro steht sie sehr nahe und man kann beobachten, dass er ab und an seinen kräftigen Arm um ihre Schulter legt. Auch mit ihren Grosstanten Goma und Quarta ist sie gerne zusammen. Jedoch am liebsten verbringt sie die Zeit mit Faddama. Des Öfteren kann man den beiden beim gemeinsamen Spiel zuschauen. Sie hatte sich anscheinend schnell an ihr neues Zuhause akklimatisiert, trotzdem braucht es noch einige Zeit und Geduld, bis sie vollumfänglich in die Familie integriert ist. Die tolle neue Freianlage könnte vielleicht auch noch über die unbeschwerte Vergangenheit hinwegtrösten.

Die Bestimmung meinte es nicht gut mit ihr

© A.J. Havenkamp

Seit Anfang Oktober 2012 litt Enea unter Erbrechen und starkem Durchfall. Sie verkroch sich in der Hängematte und auch als Zoobesucher konnte man erkennen und erahnen, das es ihr nicht gut geht. Bei der Untersuchung stellten die Fachkundigen eine schwerwiegende Dickdarmentzündung fest. Dank der medizinischen Versorgung trat zunächst Besserung ein, dennoch verschlimmerte sich ihr Zustand wieder. Sie nahm kaum noch Nahrung und Flüssigkeit zu sich. Ihre Körpersprache verriet, das sie sehr zu leiden hatte.

Da kaum noch Hoffnung zur Heilung bestand wurde am Montagabend vom 26. November 2012 beschlossen, Enea von ihrem Leiden zu erlösen. Damit die Gorillafamilie von ihr Abschied nehmen konnte, wurde sie nach ihrem Tod über Nacht im Innengehege gelassen.

Darmentzündungen können unterschiedliche Ursachen haben. Die Gorillas in Basel haben seit einigen Jahren ein bekanntes chronisches Gesundheitsproblem. Drei Gorillas sind vom Fuchsbandwurm befallen. Dieser Parasit wird durch den heimischen Rotfuchs übertragen. Nur dank Chemotherapie und Medikamenten konnten die Erkrankten bislang am Leben erhalten werden. Die Gorillas werden wohl nicht mehr gesund und wie bei den Menschen wird ihr restliches Leben von Medikamenten bestimmt sein. Auch Umzugsstress, Heimweh oder Spannungen innerhalb der neuen Gruppe können zu Reaktionen im Darmbereich führen. Einige Monate später bestätigte das tierpathologische Institut der Universität Bern, die vorab diagnostizierte Todesursache infolge Dickdarmentzündung.

In die Gorillafamilie hatte sie sich gut integriert und mit ihrer erfrischenden Art für Abwechslung gesorgt. Die Bestimmung meinte es nicht gut mit ihr und schloss ihren Lebenskreis viel zu früh.

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