Vorgeschichte

Die ersten zwei männlichen Gorillas lebten zwischen 1931 und 1935 im Zoo Zürich

Bubu auf einer Ansichtskarte von 1931

Die Tiergarten-Gesellschaft Zürich wurde am 3. April 1925 gegründet. Wenige Jahre später, am 07. September 1929 wurde der Zoologische Garten Zürich eröffnet.

Die ersten zwei männlichen Gorillas Bubu und Nestor lebten zwischen 1931 und 1935 im Zoo Zürich. Bubu war der erste Flachland-Gorilla den es zu betrachten gab. Untergebracht waren sie im oberen Stockwerk des ehemaligen Hauptgebäudes, wo heute das Exotarium steht.

Bubu wurde als einjähriger am 03. April 1931 aus Kamerun importiert und war zu seiner Lebzeiten, bis auf knapp 4 Monaten, der einzige seiner Art der den Zoo Zürich bewohnte. Über sein Dasein konnte nichts herausgefunden werden. In den Anfängen wurden die Tiere vorwiegend in Käfighaltung zur Schau gestellt. Bubu starb am 20. Januar 1935 an den Folgen von Lungen- und Darmtuberkolose.

Der Gorillamann Nestor wurde ca. 1927 in Gabun geboren. Nach seiner Gefangenschaft wurde er im Juni 1932, von der Tierhandlung Ruhe des Zoo Hannover, importiert. Am 25. Juni 1932 wurde Nestor dem Zoo Zürich ausgeliehen. Bereits am 10. Oktober 1932 wurde er dem Zoo Hannover wieder zurückgegeben. In den knapp 4 Monaten war er in Gesellschaft von Bubu.

Um 1932/33 wurde Nestor an einen unbekannten Abnehmer verkauft. Die letzte Notiz ist der angenommene Todeszeitpunkt um 1933. Was aber genau mit Nestor geschehen ist bleibt wohl für immer im Verborgenen.

Am 09. April 1963 trafen Copo und Copina in Zürich ein

© Foto Archiv Beringer & Pampaluchi / Copina und Copo

Im Jahre 1959 wurde das Menschenaffenhaus für Schimpansen, Orang-Utans und Gibbons eröffnet. Aus Platzmangel und Kostengründen konnte das ursprüngliche Volumen nicht realisiert werden. So entstand anstelle von sechs Gehegen nur deren vier, die verwirklicht werden konnten.

Copo und Copina wurden als knapp zweijährige Jungtiere in Kamerun sowie Guinea gefangen und am 17. Mai 1962 beziehungsweise. am 17. April 1962, in den Zoo Hannover importiert. Am 09. April 1963 trafen beide im Zoo Zürich ein und wurden in einem der hohen und nicht für Gorillas geeigneten 25 m² kleinen Gehegen gehalten.

Die Hoffnung, dass die beiden ein Liebespaar abgeben würden erfüllte sich nicht und so wurde am 03. Oktober 1972 Copina kurzzeitig dem Zoo Basel ausgeliehen. Aber auch da gab es keine Annäherungen zu verzeichnen.

Die Gehege waren über die Jahre zu klein geworden. Gegen Ende der 70er Jahre reifte der Gedanken den Ausbau des Menschaffenhauses zu realisieren. In dieser Planung gab es für die kinderlosen Copo und Copina keinen Platz mehr und sie erhielten gemeinsam am 24. Oktober 1977 im Zoo Rostock ein neues Zuhause.

Beide fühlten sich wohl und bekamen, mit der bereits im Zoo Rostock alleinlebenden Gorilladame Sanga, den sozialen Kontakt. Leider blieben beide bis zu ihrem Tod kinderlos. Copina wurde als ein westlicher Flachlandgorilla erkannt und starb am 11. April 1985 an einer chronischen toxischen Infektion. Copo’s Tod am 29. Juni 1998 wurde nicht dokumentiert aber es bestand der Verdacht, dass er ein Cross-River Gorilla sein könnte. Leider wurde es versäumt den Nachweis zu erbringen.

Die Kindergarten-Gorilla Fraktion aus Stuttgart

© KEYSTONE / Mamitu und Hobbit

Im Hinblick auf den Ausbau und Modernisierung des Menschenaffenhauses des Zoo Zürich wurde beschlossen, eine Gorilla-Aufzuchtgruppe, mit einem Gorillamann und idealerweise drei Gorillafrauen aufzubauen.

Nach zwei Jahren ohne Gorillas kamen am 25. Oktober 1979 die Halbgeschwister Mamitu und Hobbit, als knapp zweijährige, nach Zürich. Am 07. April 1981 folgten die einjährige Nache sowie ihr gleichaltriger Halbbruder Golo auf den Zürichberg.

Alle vier Gorillakinder wurden von Hand im Gorilla-Kindergarten der Wilhelma in Stuttgart aufgezogen. Pikant an der Sache war, dass sie zwar von drei verschiedenen Müttern jedoch vom selben Silberrücken im Zoo Stuttgart abstammten. Wobei Mamitu und Golo Geschwister sind. Der Beschaffungs-Deal lautete damals für eine Gorillafrau musste ein Gorillamann mitgenommen werden. Die einseitige Genetik war nicht im Sinne des Zoo Zürich.

N'Gola kommt und Hobbit geht

Um eine genetische Vielfalt zu gewährleisten war der Zoo Zürich bestrebt einen Gorillamann mit unterschiedlichem Erbgut zu erhalten. Im gleichen Jahr an dem das neue Menschenaffenhaus 1981 eröffnet wurde, plante der Zoo Durrell auf der kleinen britischen Insel Jersey, vor der Küste von Frankreich, ergänzend zur bestehenden Gruppe eine Zweite aufzubauen. Das kam dem Zoo Zürich entgegen einen der beiden genetisch gleichwertigen Gorillamänner an einen guten Platz abzugeben. Die Entscheidung fiel auf Hobbit. Er verliess am 19. August 1984 den Zoo Zürich, im Austausch mit N’Gola der bereits am 15. April 1984 am Zürichberg eintraf.

Die Gorilladamen Donga und Inge stossen dazu

© Dr. Christian R. Schmidt / Donga

Am 16. April 1981 kam im Zoo Basel das Gorillamädchen Donga zur Welt. Ihre Mutter Achilla litt an einer Brustentzündung und konnte das Neugeborene nicht säugen so wurde sie am 18. Mai 1981 zur Handaufzucht dem Zoo Zürich übergeben. Trotz liebe- und aufopferungsvollen Betreuung starb Donga am 19. Oktober 1982, als sie bereits wieder im Zoo war, an dem Zwergfadenwurm (Strongyloides), einem seltenen tropischen Parasiten.

Ergänzend zur Stuttgarter-Fraktion und N’Gola konnte am 11. September 1984 Inge vom Zoo Frankfurt dazu geholt werden.

Der steinige Weg zum Haremsführer

© Nika Derungs / Mamitu, Moja und Neema 09.07.1987

N‘Gola hatte es schwer sich in die geschlossene Geschwister- Gemeinschaft Gehör zu verschaffen. Er war die ersten fünf Jahre, für das menschliche empfinden, sehr grob den Damen gegenüber und holte sich den Respekt und Gehorsam mit Bissen und rüden Attacken. Insbesondere Mamitu wehrte sich vehement gegen die Unterwerfung. Der drei Jahre jüngere Golo hingegen war der sanftmütige der beiden und behandelte Mamitu und Nache eben wie Geschwister. In dieser wirren Zeit wurde die erste Geburt in der Geschichte des Zoo Zürich verzeichnet aber dem freudigen Ereignis gegenüber wurden im Gerangel um die Hirarchie auch zwei Gorillababys unbeabsichtigt getötet.

Eines Tages musste der Entscheid gefällt werden ob N’Gola oder Golo das künftige Oberhaupt der Gorilla-Gruppe wird. Die gewünschten drei Auserwählten waren mit Mamitu, Nache und Inge etabliert. Aufgrund der genetischen Vielfalt wurde beschlossen N’Gola zu behalten. Golo verliess den Zoo Zürich am 02. Mai 1989 Richtung Budapest und fand dort seine neue Heimat.

Es dauerte noch eine Weile bis die gespannte Lage sich beruhigte. N'Gola wurde schlussendlich von den drei Damen akzeptiert und ist bis heute bekannt, als sanftmütiger und toleranter Haremsführer inmitten einer intakten und sozialkompetenten Familie.

Eine wichtige Lehre und Erkenntnis wurde bei diesem Unternehmen gezogen: Die Konflikte entstanden durch das Halten von mehreren pubertierende Schwarzrücken gemeinsam mit Gorillafrauen. Der Instinkt gibt den Schwarzrücken vor, sich durchzusetzen und eine Familie zu gründen. In der Wildnis findet das Ereignis ebenfalls statt und sie können sich aus dem Wege gehen. In der Zoo-Haltung sind die Platzverhältnisse beschränkt und man hat kaum die Möglichkeit sich von den Kämpfen zu distanzieren oder zurück ziehen.

Um solche Konflikte unter Schwarzrücken in Zukunft eher vermeiden zu können, werden in eine bestehende oder gut funktionierende Gruppe nur noch Silberrücken eingesetzt.

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